Sechs Sandsteinblöcke in Skulpturen verwandelt

September 2nd, 2019

Finn, der Hund von der Todenwarth, ist in Stein gemeißelt. Das Tier findet sich in einer von sechs Skulpturen, die während des 4. Breitunger Steinbildhauer-Symposiums entstanden sind.

Monika Ritter hat „Zwillinge mit Hund“ geschaffen. Fotos (7) Wolfgang Benkert: fotoart-af.de

Breitungen – „Zwillinge und Hund Finn“ nannte Monika Ritter ihre Arbeit, die während des Steinbildhauer-Symposiums im Schlossgarten in Breitungen entstanden ist. Als das Symposium nach knapp zwei Wochen zu Ende ging, hätte sie gerne noch weitergemacht. „Schade, dass nicht noch mehr Zeit war“, sagte sie, als die Künstler zum Abschluss ihre Werke in lockerer Runde vorstellten. Unter den Zuhörern waren Breitungens Bürgermeister Ronny Römhild und Fabian Amborn vom Bauamt, der in der Verwaltung für das Symposium zuständig war; Familie Halbig von Schloss Todenwarth, wo zwischen 2003 und 2008 die ersten drei Symposien stattfanden, und Vertreter der Meininger Freimaurer-Loge „Georg Liberalitas“. Die Freimaurer unterstützen das Symposium und möchten eines der sechs Werke in Meiningen aufstellen.

Finn, der Todenwarth’sche Hund, war im Schlossgarten nicht dabei. In Monika Ritters Skulptur ist er länger ausgefallen als im Original, aber ebenso freundlich. Er schmiegt sich an die Zwillinge, als wär‘s der Drilling. Eine Arbeit, die Positives ausstrahlen soll. „Es gibt nicht nur Negatives“, sagt Monika Ritter. Die Künstlerin hat in den 80er-Jahren die Holzbildhauer-Schule in Bischofsheim in der Rhön besucht, heute lebt sie in Kalchreuth bei Nürnberg. Beim Symposium war sie zum ersten Mal dabei.

 

Tobias Golde und die „Knieende“. Foto: Wolfgang Benkert

Auch Tobias Golde aus Leipzig ist neu in der Runde. Auch er hat einst Holzbildhauer gelernt und später Bildhauerei studiert. Nach Breitungen ist er mit einem Modell gereist, das er „am ersten Tag weggelegt“ hat, wie er erzählte. Was er aus seinem Sandsteinblock herausgeholt hat, ist kompakter geworden. Ein Unterkörper mit dem Ansatz der Beine, ein Oberkörper, der verwachsen erscheint. Eine Metamorphose, erklärt Golde. Ihn interessiere das nicht Sichtbare, die Frage, was passiert weiter. „Knieende“ wäre seiner Absicht nach ein passabler Titel für sein Werk.

 

 

 

Bei der Skulptur von Lasse Schulz-Berke dachte mancher Betrachter an Eisberge und die Titanic. Foto: Wolfgang Benkert

 

 

 

Ohne Titel ist das Werk von Lasse Schulz-Berke aus Kaiserslautern geblieben. Die Pyramiden-Form, meint er, sei durch den Stein vorgegeben gewesen. Der Bildhauer kommt aus der Architektur, aus seinem Stein wächst ein flacher Quader, dessen Seiten verdreht sind. „Die Form wächst aus dem Rohling.“ Andere hätten sein Werk mit einem Eisberg assoziiert, und zur Titanic weitergedacht. Weil er Steinmetz ist, hat Lasse Schulz-Berke die Oberflächen klassisch bearbeitet.

 

 

 

 

 

 

 

Tobias Rempp nennt sein Werk „Hals über Kopf“. Foto: Wolfgang Benkert

 

 

 

 

Tobias Rempp aus Nürnberg ist zum vierten Mal in Breitungen und „wieder mal nicht fertig geworden“. „Hals über Kopf“ nennt er sein Werk, den Rest „kann man sich überlegen“, meinte Rempp bei der Vorstellung. Er habe viele Figuren gemacht, die man erkennen kann und sei nun „etwas weg davon“. Steine brächten viel mit. Die Grundform sei schon da, er habe „versucht, was drauszumachen“.

 

 

 

 

Der „Breitunger Torso“ von Sebastian Paul. Foto: Wolfgang Benkert

 

 

 

 

Neben Rempp bearbeitete Sebastian Paul seinen Stein, auch er ist ein Symposiums-Teilnehmer der ersten Stunde. Sie hätten viel über Architektur gesprochen, erzählt er, das habe sich in seiner Arbeit niedergeschlagen. Sie ist figürlich geworden, verbindet sich durch mehrere romanische Bögen aber mit der Architektur. Der Berliner nennt sie „Breitunger Torso“. Eindeutig eine Breitungerin, meinten seine Zuhörer im Schlossgarten.

 

 

 

 

 

 

 

Robert Rost mit seiner „Initiation“. Foto: Wolfgang Benkert

 

 

 

Der sechste Künstler ist in der Region der Bekannteste. Robert Rost betreibt den Steinbruch in Fambach, von dort stammen auch wieder die Sandsteinblöcke für das Symposium. Mehrere seiner Werke sind in der Region zu sehen, unter anderem die Sagenfigur des Leinewebers, der auf dem Breitunger Markt vor dem Glittstein steht. Für das Symposium hat er dieses Mal das Streben nach Verbesserung und Veränderung zum Thema gemacht. Seine Figur trägt die Hand auf dem Herzen, eine Geste, die die Arbeit an sich selbst demonstrieren soll. Figürlich, aber fragmentartig, kommentierte der Bildhauer. Die Rückseite der Skulptur ist Sonne und Mond gewidmet.

Rost’s Arbeit sprach die Vertreter der Meininger Freimaurer-Loge besonders an. Das Werk symbolisiere die drei Grade Lehrling, Geselle und Meister, meinte der „Meister des Stuhles“ – der Vorsitzende – Peter Henzel. Die Meininger Unterstützer wollten sich allerdings noch nicht auf ein Werk festlegen, sie wollten noch mit Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder über einen geeigneten Stellplatz für eine Skulptur sprechen. Am liebsten sähen sie eine der Skulpturen „als kostenlose Leihgabe in einem der Meininger Parks“.

 

 

 

 

 

 

 

Die anderen Werke bleiben in Breitungen und werden voraussichtlich im neu angelegten „Garten der Kunst“, hinter dem Schloss, aufgestellt, wo schon die Werke des dritten Symposiums 2017 zu sehen sind.

Im „Garten der Kunst“, hinterm Breitunger Schloss, kann man Skulpturen der Symposien betrachten. Foto: Wolfgang Benkert

Der Klang der Hämmer lockte während der zwei Wochen immer wieder Neugierige in den Schlossgarten, die den Bildhauern zusahen und Fragen stellten. Dennoch hielt sich die Aufmerksamkeit in Grenzen. Die Bildhauer schätzen diese Mischung. Es ist angenehm hier, sagte etwa Tobias Golde und lobte, wie die anderen, die besondere Atmosphäre des Breitunger Burghügels.

Text: STZ 29.8.2019 Ulricke Bischoff

Beitrag von Ulricke Bischoff in der Südthüringer Zeitung, 22.4.2017

April 29th, 2017

Schmalkalden

„Es musste die Todenwarth sein“

Kaum hatte Jochen Halbig die Todenwarth gesehen, war es um ihn geschehen. Die Gene begannen zu spinnen. Mittlerweile ist er mit seiner Frau Antje seit 20 Jahren Eigentümer, Sanierer und Bewohner des Schlösschens oberhalb der Zwick.

Seit 2012 leben Antje und Jochen Halbig durchgehend auf der Todenwarth. Sie laden regelmäßig zu Konzerten und Lesungen ein, etwa am 6. Mai wieder zum Frühlingsfest des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. Auch zum T
ag des offenen Denkmals öffnen sie die Türen der Warthe. Am Haus steht die Jahreszahl 1768. In seiner jetzigen Form dürfte es somit 249 Jahre alt sein, der Kern ist wesentlich älter.

Fambach/Todenwarth – Es ist das Mädchen im blauen Kleid. Rechts neben ihren Eltern stehend, schaut es auf dem etwa 150 Jahre alten Familienportrait als eines von vier Kindern dem Maler in die Augen. Camilla Wolff von Todenwarth, geboren 1847, sollte später dafür sorgen, dass sich die Todenwarth’sche Linie mit denen der Halbigs kreuzte. Das Mädchen von der Warthe heiratete den Bad Salzunger Max Halbig und zog zu ihm. Das Familienanwesen oberhalb der Zwick mit dem barocken Schlösschen übernahm ihre jüngste Schwester, Olga Freifrau Wolff von Todenwarth. Sie ließ aus der einstigen Kemenate nebenan, die zwischendurch 300 Jahre lang als Scheune diente, ein zweites Herrenhaus bauen. Die Leute nannten es „Scheunenschloss“.

Etwa 80 Jahre später schlich sich der Zahnarzt Jochen Halbig erstmals auf das Gelände. Er hatte von der Todenwarth als einstigem Familienbesitz gehört, sie aber noch nie gesehen. Das alte Schlösschen war heruntergekommen, der Balkon abgetragen. Wechselnde Besitzer hatten ihre Spuren hinterlassen. Jochen Halbig verschwand im leer stehenden Haus, seine Frau Antje, Tochter Josefine und Sohn Moritz warteten draußen. Die Kinder gruselten sich.

Als sie im Herbst darauf Urlaub in Oberschönau machten, wollte Jochen Halbig wieder nach Fambach. Er habe sich auf der Warthe sofort zu Hause gefühlt, beschreibt der heute 77-Jährige eine Faszination, die „man eigentlich nicht erklären kann“. Es seien wohl die Gene gewesen, die ihn zur Warthe zogen, „sie haben gesponnen“.

Zunächst sollten jedoch politische Umbrüche den Lebensweg der Halbigs mitbestimmen. Kurz vor dem Fall der Mauer gab die DDR-Führung dem Ausreiseantrag der Familie nach, sie zog im Oktober 1989 von Halle nach Nürnberg. Einige historische Unterlagen über die Todenwarth hatte der Vater in Büchern versteckt. In Nürnberg eröffnete er eine Zahnarztpraxis, Kinderchirurgin Antje arbeitete in der Forschung. Sie richteten sich eine Mietwohnung ein.
1996 erfuhren Antje und Jochen Halbig, dass die Todenwarth seit drei Jahren zum Verkauf steht. Schon vorher war der Wille von Jochen Halbig, „etwas Altes zu haben“, stärker geworden. Die Familie schaute sich auch das Schloss in Roßdorf/Rhön an, doch es sollte nicht irgendein Haus sein. „Es musste die Todenwarth sein.“ Der Eigentümer wollte 650 000 Mark für das barocke Schlösschen. Sie konnten ihn auf eine halbe Million herunterhandeln. Im Herbst unterschrieben sie, im April 1997 standen Halbigs im Grundbuch. „Von da an gab es keinen Urlaub mehr.“

Er war entschlossen. Sie innerlich eher schwankend. Ihr gefiel es in Nürnberg, sie mag die Großstadt – doch der gemeinsame Weg führte nach Fambach. Jahrelang verbrachten sie bald jedes Wochenende, die Brückentage, die Urlaubszeit auf der Todenwarth. Den Garten dominierten anfangs Brennnesseln und Giersch, ein Neffe nannte das Haus „Ruine“. Wasser kam zunächst nur aus einem Kellerschlauch, die Toilette stand draußen, ausgekehlte Treppenstufen verlangten Balancier-Künste. Decken kamen zum Teil herunter, die Tochter mochte die vielen Spinnen nicht. Es dauerte Monate, bis sie zum ersten Mal im Schloss übernachten konnten. Halbigs sahen die positiven Seiten. Sie hatten keinen Schwamm im Mauerwerk, keine Nässe im Haus und es war nicht einsturzgefährdet.

Den 60. Geburtstag von Jochen Halbig im Oktober 1999 feierten sie im Saal im Erdgeschoss, „es war aber immer noch eine Baustelle“. Die Gäste quartierten sich lieber in umliegenden Gasthöfen ein.

„Irgendwie wird es schon gehen“ war ein Satz, der die Familie begleitete. Finanziell half Antjes Vater, bei den Bauarbeiten war Steinmetz Joachim Fuckel aus Breitungen ein wichtiger Partner und „idealer Fachmann“, der über Jahre hinweg präsent war. Auch Halbigs selbst packten an. Sie schliffen Bodendielen ab und ersetzten Geländer, bearbeiteten und montierten Schlösser. Sie sammelten Material aus anderen alten Häusern. Gebrauchte fränkische Ziegel und mancher Sandstein kamen im Kofferraum auf die Todenwarth. Puzzleteile, die ihre eigene Geschichte mitbrachten. Fast an jeder Tür gibt es eine zu erzählen.

In der Küche im Erdgeschoss liegen noch „die Fliesen von Olga“. Im Hausflur mussten die Spuren der Freifrau weichen. Der Hausherr fand darunter, durch eine Kieselschicht geschützt, mittelalterliche Sandsteinquader. „Da sind schon die Kroaten drauf gelaufen“, sagt er, ein bisschen verschmitzt, und doch ganz ernst. Was sind dagegen schon hausfrauenfreundliche Fliesen?

Zwei Gewölbekeller liegen unter dem Schloss, der ältere dürfte gut 750 Jahre auf dem Buckel haben, schätzt Jochen Halbig. Blindfenster, auf die Fassade gemalt, erinnern an das Verlangen des Barock nach Symmetrie. 42 echte Fenster sind es heute, sie erhellen die 200 Quadratmeter pro Etage und wollten vor Ostern geputzt sein.

Viel Zeit, Energie und Geld stecken Antje und Jochen Halbig in die selbst gewählte Aufgabe Todenwarth. „Wir fliegen eben nicht in die Karibik“, sagt Jochen Halbig. Er selbst müsse nicht reisen. „Ich reise in die Geschichte.“ Das betrifft nicht nur die der Wölffe von und zur Todenwarth, deren privates Familienarchiv, einschließlich eines Tafelklaviers, in der Warthe beheimatet ist. Halbigs Geschichtsreisen führen ihn auch in die beiden Schmalkalder Geschichtsvereine, sein Interesse an historischen Bauten in den Denkmalbeirat. Den Abriss der Kammgarnspinnerei an der Zwick mit Sprengung des Behlert- Baus im Jahr 2009, von Jochen Halbig massiv bekämpft, hat er nie verwunden.

„Nicht jetzt“, empfiehlt Antje Halbig lächelnd, als ihr Mann das Kammgarn-Drama zum Thema machen möchte. Ein Rundgang durch das Haus führt stattdessen auch zu jenem Familienportrait mit dem Mädchen im blauen Kleid. Irgendwie muss diese Camilla Wolff von Todenwarth so etwas wie Heimatliebe vererbt haben. Bei Jochen Halbig kam sie an. „Ich bin hier zu Hause“, sagt er, und hofft, dies noch lange genießen zu können. Dann möchte er „hier sterben und begraben sein“.

Todenwarth Spätsommer

Oktober 15th, 2016

Kontakt:

Familie Dres. Halbig –  Todenwarth 1 – 98597 Fambach

Tel.: 036848-31401      j.halbig@todenwarth.de

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Jahreswolff 2015

März 29th, 2015

Eberhardt Freiherr Wolff von und zur Todenwarth

eberhardt

20.9.1515 – 30.5.1585

Eberhard Wolff von und zur Todenwarth  war Hennebergischer Kanzleisekretarius, seit 1550 Landrichter, Rat und Amtmann zu Schleusingen.Verheiratet seit 1544 mit Anna Wölflin genannt Jäger, Tochter des Hennebergischen Kanzlers Johann Wölflin gen. Jäger, 10 Kinder. Eberhard ist Großvater von Anton Wolff v. Todenwarth, Hessischer Kanzler von 1624 – 39, und Johann Jacob, Mitunterzeichner des Westzfälischen Friedensvertrages 1648. Zehntes Kind war die Tochter Margaretha,  verheiratet mit dem Hessischen Landesrentmeister Heinrich Zöllner, Vorfahrin von Johann Wolfgang von Goethe.  

Abbildung: aus „Sacrarium Wolffiacum, das ist das große wolffische Stammbuch“ – lateinisch geschriebene Familiengeschichte mit Wappendarstellungen, Stammbäumen, Portraits von Anton, seinem Sohn und der direkten Vorfahren (Öl auf Pergament, Andreas Hulle, ca. 1630) – Archiv Darmstadt